Das Institut heute

1995 wurde Stefan Willich auf den Lehrstuhl Sozialmedizin und Epidemiologie berufen und zum Direktor des Instituts für Arbeits-, Sozialmedizin und Epidemiologie ernannt. Das Institut war zunächst Teil des Gebäudekomplexes Dorotheenstraße/Wilhelmstraße.

Wegen umfangreicher Sanierungsarbeiten des Gebäudekomplexes wurde das Institut 1998 in den Riedemannweg ausgelagert. 1999 erfolgte der Umzug in die heutigen Räume im Gebäude Luisenstraße 57, das 1840 erbaut worden war. Dort befand sich zwischen 1879 und 1897 die Arbeitsstätte des Reichsgesundheitsamtes, in dem Robert Koch den Erreger der Tuberkulose entdeckte.

Seit dem Jahr 2000 ist das Institut im Berliner Zentrum für Human- und Gesundheitswissenschaften integriert, zusammen mit 10 weiteren Instituten der Medizinischen Fakultät Charité der Humboldt-Universität und der Freien Universität Berlin. 2001 wurde das Institut umbenannt in Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie. Im Frühjahr 2004 wurde dem Institut der Projektbereich Internationale Gesundheitswissenschaften angegliedert, der nach der Emeritierung von Frank-Peter Schelp aus dem ehemaligen Institut für Soziale Medizin am Campus Benjamin Franklin hervorging. Im Herbst 2006 wurde Prof. Willich die kommissarische Leitung des Instituts für Gesundheitssystemforschung übertragen, nach der Emeritierung von Ralph Brennecke. Im Zuge der Charité Restrukturierung im Jahr 2005 wurde das Zentrum für Human- und Gesundheitswissenschaften in das CharitéCentrum 1 für Human- und Gesundheitswissenschaften überführt und 2006 Prof. Willich zum Wissenschaftlichen Leiter ernannt. Dem CharitéCentrum 1 gehören Fächer an, die für die Vernetzung mit Grundlagenwissenschaften, Kliniken, und Geistes- und Sozialwissenschaften besondere Bedeutung haben, und die vor allem den Bezug der Charité zu Bevölkerung und Gesellschaft herstellen. Die Hälfte der Institute bietet ambulante medizinische Versorgung an.

Die Entwicklung der Forschungstätigkeit des Instituts begann Mitte der 90er Jahre mit verschiedenen Großprojekten in Form von klinisch-epidemiologischen Beobachtungsstudien, Kohortenstudien wie Fall-Kontroll-Studien. Seit dem Jahr 2000 gehören zusätzlich Interventionsstudien einschließlich randomisierter kontrollierter Studien zur Forschungsarbeit, so dass wir heute das gesamte Spektrum großer klinischer und epidemiologischer Studien erfolgreich koordinieren und durchführen. Dabei ist es in den letzten Jahren auch Routine geworden, vertreten durch den Forschungsbereich Gesundheitssystemforschung, gesundheitsökonomische Parameter in allen Studien zu integrieren, wie es den heutigen Ansprüchen an unser Fach entspricht.

Die Entwicklung der Forschungsausrichtung und -projekte war begleitet von einer stetigen Verbesserung struktureller Aspekte und des Supports von Projekten durch Mitarbeiter in Querschnittsfunktionen. So stand am Anfang die Entwicklung einer tragfähigen EDV-Struktur im Mittelpunkt, um die Großprojekte mit umfangreicher Dateneingabe meistern zu können. Ab 2000 wurden in die Teams gesundheitsökonomisch und statistisch ausgebildete Mitarbeiter integriert, um allen Projekten diesbezüglich methodische Unterstützung zu geben. Schließlich folgte ab 2002 ein zunächst auf die Forschung, später auf die Lehre ausgedehntes Qualitätsmanagementsystem, welches die effiziente Umsetzung der Projekte auch unter den zunehmend schwierigeren wirtschaftlichen Bedingungen der Charité gewährleistet.

Die Kooperation des Instituts mit einer Vielzahl anderer Einrichtungen ist eine wichtige Basis unserer wissenschaftlichen Arbeit. Eine besondere Schwierigkeit in allen medizinischen Bereichen ist nach wie vor die Umsetzung klinischer Forschungsergebnisse auf die medizinische Praxisrealität. Klinische Studien unter standardisierten Bedingungen mit selektierten Patienten sind oft nicht repräsentativ für die Praxisrealität. Ein wichtiger Schwerpunkt der Arbeit des Instituts ist daher die Kooperation mit peripheren Kliniken und niedergelassenen Ärzten. Gefördert werden unsere Projekte vor allem von Bundes- und Landeseinrichtungen, Stiftungen, Krankenkassen und Industrie.