Forschungstätigkeit

Welchen Einfluss haben soziale Determinanten wie Bildung und Einkommen auf die Gesundheit in der globalen Welt? Wie kann Wissen über Gesundheit weltweit öffentlich zugänglich gemacht werden? Wie sollen Themen der globalen Gesundheitswissenschaften im Medizinstudium repräsentiert sein? Lesen Sie mehr zu diesen und anderen Forschungsthemen des Projektbereichs Globale Gesundheitswissenschaften des Instituts für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie an der Charité — Universitätsmedizin Berlin.

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Zugang zu Ergebnissen öffentlich finanzierter Forschung

Öffentlich finanzierte Forschung spielt global immer noch eine Schlüsselrolle bei der Forschung und Entwicklung neuer Medikamente, von Impfungen oder von diagnostischen Verfahren. Geistige Eigentumsrechte verhindern allerdings oft, dass weltweit viele Menschen von öffentlich finanzierten Forschungsergebnissen profitieren können. Über die Verantwortung öffentlich finanzierter Forschung gegenüber der finanzierenden Öffentlichkeit wird an Forschungseinrichtungen in Deutschland bisher so gut wie nicht diskutiert - oder geforscht.

Wir untersuchen die Rolle und den Einfluss geistiger Eigentumsrechte in öffentlich finanzierten Forschungsprojekten im Gesundheitsbereich. Dazu kooperieren wir mit Prof. Dr. Christine Godt (Jean Monnet-Lehrstuhl für Europäisches und Internationales Wirtschaftsrecht, Zivilrecht an Carl von Ossietzki Universität Oldenburg) und Dr. Christian Wagner-Ahlfs (BUKO-Pharma) in dem Projekt "Medizinische Forschung – der Allgemeinheit verpflichtet.

Im Rahmen der intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema öffentlich finanzierte Forschung entstand eine enge Zusammenarbeit mit der Organisation "Universities Allied for Essential Medicines", die in lokalen Gruppen an verschiedenen Universitäten in Deutschland und im Ausland aktiv sind. UAEM ist ein Netzwerk aus Studierenden die sich dafür einsetzten, dass medizinischer Fortschritte weltweit jedem Menschen zugänglich gemacht werden soll.

Durch die Arbeit von UAEM wurde erreicht, dass sich der Fakultätsrat der Charité, als erste deutsche Forschungseinrichtung, dafür ausgesprochen, bei der Vermarktung von Universitätspatenten soziale Aspekte zu berücksichtigen. In der Ergänzung der Drittmittelsatzung, die der Fakultätsrat dazu beschloss hat heißt es, "Forschungsergebnisse müssen für bedürftige Menschen zugänglich sein".

Soziale Determinanten von Gesundheit

Aus der langjährigen Kooperation in der universitären Lehre des Institutes für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie mit der Jenny de la Torre Stiftung, die medizinische Hilfe und Betreuung für Obdachlose durchführt, ist eine wissenschaftliche Kooperation zum Thema medizinische Versorgung von obdachlosen Menschen entstanden.

Zusammen mit dem Projekt "LAIB und SEELE" der Berliner Tafel, der Berliner Kirchen und des Rundfunk Berlin-Brandenburg untersuchen wir die Auswirkungen von Armut und Ernährung. Wir versuchen zu verstehen wie möglicherweise vor dem sinnlosen Abfalltod bewahrt Lebensmittel Menschen mit wenig Geld, sozialen Einrichtungen und Kindern helfen können , die sich gesund ernähren möchten.

Gemeinsam mit dem Projekt Open.Med der Organisationen Ärzte der Welt und dem Projekt Meditrina der Ärzte Ohne Grenzen haben wir die medizinischen Versorgung von Migranten ohne Aufenthaltstatus in Deutschland und der Schweiz analysiert.

Global Health Education

Der Projektbereich nimmt in der Global Health Ausbildung in Deutschland eine Vorreiterrolle ein. Unsere intensive Auseinandersetzung mit interessierten Studierenden und zivilgesellschaftliche Organisationen zu Gesundheit im nationalen und globalen Kontext trägt maßgeblich zur Weiterentwicklung des Themas Globale Gesundheit in Deutschland bei.

Bereits 2008 haben wir gemeinsam mit der Studierendengruppe "Globalisation and Health Initiative" (GandHI) des Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschlands e.V. (BVMD) erstmals eine deutschlandweite Veranstaltungsreihe zum Thema Global Health durchgeführt.

Gemeinsam richten wir mit der Copenhagen School of Global Health und den zivilgesellschaftlichen Partner IPPNW - Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges / Ärzte in sozialer Verantwortung e.V.  (IPPNW) und Health Action International eine Summer School zum Thema Global Health im Kontext einer globalisierten Welt.

Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus der University of Bologna (Italy), University of Valencia (Spain), London Metropolitan University (UK), Ege Üniversitesi (Izmir, Turkey), Aristoteleio Panepistimio Thessalonikis (Greece) und der New Bulgarian University (Sofia, Bulgaria) führen wir von der Europäischen Union gefördert regelmäßig die Summer School "Global Health & Migration: Interdisciplinary tools to tackle health inequalities" durch.

Die in den Summer Schools unterrichteten Inhalte fließen ein in das erste Global Health Wahlpflichtseminar der Charité Universitätsmedizin Berlin das wir seit dem Wintersemster 2012/13 etabliert haben.

Im Rahmen der European Academic Global Health Alliance (EAGHA) tauschen wir Ansichten und Ideen mit Kolleginnen und Kollegen anderer akademischen Institution zum Thema global health aus um eine gemeinsam europäische Stimme zu diesen Themen und Bereichen in die Politik zu bringen. Innerhalb der EAGHA bemühen wir uns im Rahmen des Sub-Committee Global Health gemeinsam mit Prof Dr. de Courten in Europa Global Health Lehre und Ausbildung zu fördern und zu stärken.

Zusammen mit der Berliner Ärztekammer, sowie den Organisationen Ärzte der Welt, Ärzte ohne Grenzen und Deutches Rotes Kreuz richten wir jährlich den internationalen "Humanitäre Kongress" aus. Der 1997 erstmals von der Berliner Ärztekammer ausgerichtet Kongress fördert die Debatte zur humanitären Hilfe in Deutschland und richtet sich neben Mitarbeitern von Hilfsorganisationen insbesondere an interessierte Studierende. Er ist mir über 550 Teilnehmern die größte und bekannteste internationale Veranstaltung zu Thema humanitäre Hilfe.

Entwicklung des Projektbereichs

Der Projektbereich hat sich aus dem ehemaligen Institut für Internationale Gesundheitswissenschaften (Prof. em. Frank Schelp) entwickelt und setzt sich heute besonders mit Globaler Gesundheit auseinander.

Historisch bestanden enge wissenschaftliche Kooperationsbeziehungen zwischen universitären Forschungsinstitutionen in den Philippinen, Thailand und Laos, die zu regelmäßigen Austausch von Stipendiaten und Doktoranden geführt haben.

Diese internationale Forschungszusammenarbeit führte vormals zu intensiver Beschäftigung mit Infektionserkrankungen aus einer Public Health Perspektive. Infektionserkrankungen wurden dabei einerseits als wieder zunehmende auftretendes Problem in Industrienationen wahrgenommen, sowie gleichzeitig als chronisches Gesundheitsproblem der Entwicklungsländer. Schwerpunkte in der Forschungszusammenarbeit mit Kollegen aus Süd-Ost Asien, sowie auch Nordamerika und Australien, lagen dabei besonders auf Mutter- und Kindergesundheit, sowie epidemiologischen Aspekten der Malaria und Dengue-Fieber Ausbreitung.

Ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt der Arbeit war die Auseinandersetzung mit allgemein-epidemiologischen Fragestellungen, die häufig einen methodischen Schwerpunkt hatten. Arbeitsgebiete waren die Modellierung von Effekten in multizentrischen Studien, methodische Fragen der internationalen Vergleichbarkeit epidemiologischer Daten und die Anwendung von Capture-Recapture-Verfahren in der Public Health Forschung. Letztere hatten die Erfassung von epidemiologisch schwer zugänglichen Populationen zum Ziel. Ein epidemiologisches Anwendungsprojekt dieser Capture-Recapture--Verfahren im Surveillance - Bereich beschäftigte sich mit der Schätzung der Anzahl von Drogenabhängigen in Thailand.
Neben ausgiebigen Forschungstätigkeiten unterstützte die Abteilung den Aufbau vom Master Studiengängen in Epidemiologie an der Universität Manila (Philippinen), der Mahidol Universität Bangkok und Khon Kaen Universität (beide Thailand). Diese Arbeit wurde durch die Deutsche Forschungemeinschaft (DFG), den Deutschen Akademischen Austausch Dienst (DAAD) und das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert.