Forschungstätigkeit im Projektbereich Epidemiologie und Prävention

Am Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie an der Charité — Universitätsmedizin Berlin befindet sich das Studienzentrum Berlin Mitte der deutschlandweiten Studie NAKO Gesundheitsstudie.

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NaKo Gesundheitsstudie

Die NaKo Gesundheitsstudie ist die größte Studie zum Verlauf chronischer Volkskrankheiten, die es jemals in Deutschland gegeben hat. Insgesamt 200.000 Probandinnen und Probanden werden seit  2014 unter Einsatz neuester medizinischer Verfahren untersucht. Die rund 30 Befragungs- und Untersuchungsmodule werden in den nächsten zwei oder drei Jahrzehnten alle fünf Jahre wiederholt. So entsteht ein riesiger Datenschatz über Entstehung, Einflussfaktoren, Verlauf und Präventionsmöglichkeiten der Volkskrankheiten.

Die Forscherinnen und Forscher erhoffen sich Ergebnisse zu Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Demenz und vielen anderen Erkrankungen. Vorbild ist die US-amerikanische Framingham-Studie, die seit 1948 besteht und in der mittlerweile 3. Generation bis heute andauert. Aus dieser Studie entstanden mehr als 1000 wissenschaftliche Publikationen, die unter anderem eindeutige Belege über die negativen Folgewirkungen von Rauchen, Bluthochdruck, Fettleibigkeit und Diabetes lieferten.

Die Durchführung der Hauptphase der NaKo Gesundheitsstudie am Studienzentrum Berlin-Mitte ist derzeit der Schwerpunkt der Arbeit im Projektbereich Epidemiologie und Prävention.

Besuchen Sie die Website des Studienzentrums Berlin-Mitte und lesen Sie mehr über den Ablauf der Untersuchungen.

Atemwegserkrankungen und Allergien

Allergien wie Asthma, Heuschnupfen, Neurodermitis haben in den letzten Jahrzehnten vor allem in den Industrieländern und gerade bei Kindern stark zugenommen. In Langzeitstudien untersuchen wir von Geburt an in regelmäßigen Abständen und in enger Kooperation mit Kinderärzten und Dermatologen der Charité (Prof. Wahn, Prof. Lau, PD Dr. Beyer, Prof. Zuberbier) und anderer europäischer Universitäten den Verlauf und genetische und umwelt- und lebensstilbedingte bedingte Risikofaktoren dieser Erkrankungen. Die Teilnehmer der Multicenter Allergie Studie (MAS) wurden zuletzt im Alter von 20 Jahren erneut befragt und untersucht. Dies erlaubt uns erstmalig in Deutschland prospektiv erhobene Daten von Geburt bis ins Erwachsenalter über Asthma und Allergien auszuwerten.

Nach MAS wurden in Europa in den 1990er Jahren weitere große Geburtskohortenstudien zu Allergien und Asthma gestartet. Im Rahmen des europäischen Exzellenznetzwerkes GA²LEN (Global Allergy and Asthma European Network) haben wir begonnen deren Daten zusammen, um gemeinsame statistische Auswertungen durchzuführen. Durch diese Meta-Analysen können Erkenntnisse über Risiko- oder schützende Faktoren (Haustiere?) mit statistisch größerer Sicherheit gewonnen werden als in Einzelstudien, aber auch regionale und kulturelle Unterschiede untersucht werden. Außerdem haben wir mit der BASAL-Studie im Rahmen der GA²LEN-Initiative erstmalig für das Bundesland Brandenburg bevölkerungsrepräsentative Daten über Allergien, Atemwegs- und Hauterkrankungen bei Erwachsenen bis zum Alter von 70 Jahren erfasst.

Im Rahmen des EU-Projekts EuroPrevall, koordinieren wir seit 2005 eine Geburtskohortenstudie speziell zum Thema Nahrungsmittelallergien bei Kindern in den ersten Lebensjahren. In dem von der Europäischen Kommission geförderten Projekt ENRIECO wurden die Methoden aller europäischen Geburts- und Schwangerschafts-Kohortenstudien zu umweltbedingten Gesundheitsrisiken für Erkrankungen im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Kindheit zusammengestellt (www.enrieco.org).

Gastroenterologie

Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts sind häufig und stellen eine ausgeprägte individuelle aber auch gesellschaftliche Belastung dar. Im Rahmen einer prospektiven, multizentrischen, offenen Kohortenstudie (ProGERD), die in Deutschland, Österreich und der Schweiz durchgeführt wurde, untersuchten wir den Verlauf der Refluxkrankheit (Entzündung der Speiseröhre durch vermehrten Rückfluss von Magensäure, führt häufig zu chronischem Sodbrennen) unter Bedingungen der Routineversorgung. Unsere Studie zeigte, dass die Lebensqualität der Patienten ähnlich deutlich reduziert war wie bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Behandlung durch Esomeprazol führte bei 92% der Patienten schon nach kurzer Zeit zu einer deutlichen Symptomlinderung oder völligen Beschwerdefreiheit und damit zu einer verbesserten Lebensqualität.

Adipositas mit ihren begleitenden medizinischen, psychologischen, sozialen und wirtschaftlichen Komplikationen ist ebenfalls eine aus Public Health Sicht bedeutsame chronische Erkrankung. Ziel eines hierzu durchgeführten Health-Technology-Assessment-(HTA)-Berichts war die medizinische und ökonomische Bewertung der Adipositaschirurgie im Vergleich zu anderen Behandlungsmethoden. Bariatrische Maßnahmen können zu einer kurz- und mittelfristigen Gewichtsabnahme führen, einhergehend mit einem Rückgang der Begleiterkrankungen, speziell Diabetes mellitus, und einer reduzierten Sterblichkeit. Es war allerdings nicht abschließend möglich, einzelne bariatrische Operationsverfahren gegenüber anderen in der Versorgungspraxis zu bevorzugen oder diese für bestimmte Patientengruppen zu empfehlen.

Auch zur Diagnostik von gastroenterologischen Erkrankungen haben wir informative HTA – Berichte erstellt, z.B. über den Stellenwert der verschiedenen Testverfahren zur Primärdiagnostik einer Helicobacter pylori Infektion. Dieses Bakterium, das im menschlichen Magen vorkommen kann, ist die zweithäufigste Infektion des Menschen und wird für eine Reihe von Magenerkrankungen verantwortlich gemacht wird. Ziel eines weiteren HTA-Berichts war es, die Ultraschall-Diagnostik akuter Bauchschmerzen bei Kindern und Erwachsenen aus medizinischer und ökonomischer Perspektive zu bewerten.

Versorgung psychischer Störungen

Ein weiterer Schwerpunkt des Projektbereiches ist die psychiatrische Versorgungsforschung, die seit 2001 durch Priv.-Doz. Dr. Anne Berghöfer koordiniert wird. Die langjährige Mitarbeiterin des Instituts, Dr. Erika Sieber, war bis zu ihrem Ruhestand Suchtbeauftragte der Ärztekammer Berlin und hatte den Schwerpunkt mit Fokus auf Suchterkrankungen etabliert.

Aspekte der Optimierung psychiatrischer Therapie chronisch psychisch Kranker im ambulanten und stationären Setting werden ebenso behandelt wie gesundheitsökonomische Aspekte. Die Studienprojekte befassten sich seit 2001 mit der Langzeitbehandlung bipolarer und unipolarer affektiver Störungen durch Lithium und andere Langzeitmedikation in Spezialambulanzen, mit der Erkennung und Frühbehandlung depressiver Störungen in der Primärversorgung und mit den Versorgungswegen chronischer Schmerzpatienten.

Der Forschungsbereich war maßgeblich an der Entwicklung und Evaluation eines Modells der Integrierten Versorgung chronisch psychisch Kranker in mehreren Bundesländern und mit mehreren Krankenkassen beteiligt. Ein kürzlich abgeschlossenes Forschungsprojekt evaluierte die Auswirkungen einer besonderen Vergütungsstruktur, dem Regionalen Psychiatrie Budget, im stationären Versorgungssektor auf die Versorgungsqualität der Menschen mit psychischen Störungen in der Region. Daneben wurden rechtskreisübergreifende Versorgungsstrukturen untersucht.

Musikermedizin

In Berlin gibt es eine große Anzahl von Berufsmusikern (Orchestermusiker und Selbstständige) sowie musikalischen Laien. Eine Vielzahl von Untersuchungen deuten an, dass bis zu 80 % der Musiker an gesundheitlichen Beschwerden leiden. Vornehmlich sind es Schmerzen des Bewegungsapparates und psychische Beeinträchtigungen, daneben gibt es eine Vielzahl spezifischer Störungen, die mit der besonderen Belastung durch die Musikausübung in Zusammenhang gebracht werden. Daher ist das Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie mit seinem Projektbereich Epidemiologie und Prävention am Berliner Centrum für Musikermedizin beteiligt.

Im Themenbereich Musikermedizin werden derzeit verschiedenen Forschungsprojekte zur Musikermedizin und Musikergesundheit initiiert.